Ich wurde nicht hell-grün geboren…
Das Thema „Klima“, „Atomstrom nein danke“ fand ich früher (vor vielen Jahren als Teenager und/oder junger Erwachsener) eher zum schmunzeln und ich habe die Leute, die solche Aufkleber auf dem Auto hatten für „Spinner“ gehalten. Dafür möglicherweise auf eine Demo gehen, Aktionen zu starten, etc. kam für mich nicht in Frage.
Vielleicht lag es auch an meiner Generation „Golf“ und wie Florian Illies es seinem Buch Generation Golf beschrieb, waren die Demos, etc. was für unsere älteren Geschwister. Zumindest bei mir traf das durchaus zu und ich konnte die Leidenschaft der Älteren für Demos und für Themen einzustehen nicht teilen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt andere Dinge im Kopf, wie Sport, Mädchen, Partys usw.
Das Bewusstsein ändert sich
nennt man das Erwachsen werden?
Das änderte sich langsam und stetig durch meinen Beruf als Versicherungsmakler im Fairsicherungsladen. Dort habe ich positiv erfahren dürfen, dass die Vermittlerung von Versicherung nicht immer mit dem klassischen Verkauf einher gegen muss, sondern auch anders funktionieren kann. Die Mitarbeiter in einem Fairsicherungsladen sind alle eher Berater statt Verkäufer. Das wird unterstützt, dass alle MitarbeiterInnen ein festes Einkommen haben, keine Erfolgsvergütungen jedwerder Art erhalten und zudem fachlich spezialisiert sind. Ähnlich bei den Ärzten.
Während der Allgemeinmediziner als erster Ansprechpartner dient und viele Dinge leistet und abdeckt, so wird bei komplexeren Fällen eine Überweisung und Empfehlung an einen Spezialisten erfolgen. Folglich gibt es neben den vielen Allgemeinmedizinern auch viele Fachärzte, wie z. B. Internisten, Orthopäden, Neurologen und viele weitere. Diese Spezialisten an einem Ort zusammengefasst (z. B. ein Ärztehaus, eine Gemeinschaftspraxis, etc.) wäre im weitesten Sinne vergleichbar mit der Arbeitsweise in einem Fairsicherungsladen.
In der Philosophie eines Fairsicherungsladens ist man überzeugt, dass keine Person derart fachlich fit sein kann, um alle Aspekte der Versicherungen über alle Bereiche und über viele Versicherer hinweg kennen zu können. Dazu ist der sprichwörtliche „Bauchladen“ im Versicherungsbereich zu groß und zu komplex.
Daher sind FachberaterInnen in den Fairsicherungsladen aktiv. Am Beispiel des Fairsicherungsladen in Hannover sind das aktuell zwei Frauen, die über eine ausgezeichnete Expertise und Fachwissen zu den Themen Krankenversicherung, Berufsunfähigkeitsabsicherung, Riester-Rente, Risikolebensversicherungen und den Breich Pflegeabsicherung verfügen. Zwei weitere können zu fast allen Bereichen der Sach- und Haftpflichtversicherungen für Privat- und Gewerbekunden kompetente Auskünfte geben und beraten. Eine der beiden Frauen verfügt wie die beiden Kolleginnen zuvor im anderen Bereich über eine exzellente Fachkenntnis. Die zweite Kollegin ist noch jünger im Unternehmen – aber sehr wissenhungrig und arbeitet stetig daran, ihr Fachwissen zu steigern. Zwei weitere Kolleginnen arbeiten im Back- und Frontoffice und unterstützen alle Kolleginnen und mich vorbildlich bei ihrer/unserer Arbeit. Ach ja – mein Aufgabengebiet im Fairsicherungsladen umfaßt den Bereich der Geldanlage und – in Funktion als Arbeitgeber – die Motivation und Unterstützung der Damen im Büro.
Gerade durch diese Arbeitsweise und die allgemeine Tugend (oder Krankheit?) als Makler Aussagen und Aspkete zu hinterfragen, habe ich viele Kunden und Mandanten kennen lernen dürfen, die bereits hell-grün oder gar dunkelgrün denken. In meinem beruflichen Alltag besteht erfreulicherweise immer mal wieder die Möglichkeit, Zeit für Gespräche auch außerhalb der normalen Versicherungsthemen mit unseren Mandanten und Geschäftspartner zu führen. Viele unserer Mandanten haben ein Faible für das Thema Ökologie, Umwelt und Nachhaltigkeit oder arbeiten sogar in Bereichen, in welchem sie direkten Kontakt damit haben. Von daher war es natürlich, dass unsere Gespräche sich unter anderem mit solchen Themen befassten und haben mich bei einigen Dingen aufhorchen lassen. Ich fing an Dinge an mir selbst und meiner Überzeugung in Sachen hell-grün in Frage zu stellen – wenn auch damals noch sehr laienhaft.
Dazu ein Beispiel: Ich hatte vor Jahren überlegt für Zuhause zukünftig Ökostrom zu beziehen und die Aufpreise für Ökostrom war als gering zu bezeichnen. Den „Luxus“ wollte ich uns gönnen. Also das Thema kurz mit meiner Frau abgestimmt und sie fand die Idee gut. Gesagt – getan. Wir bezogen zuhause nun Ökostrom und ich fühlte mich als „Gut-Mensch“. Als ich dann von einem guten Bekannten darauf hingewiesen wurde, dass der gleiche „Dreck“ (seine Worte) aus der Steckdoese wie zuvor kam, war ich geschockt. Kein sauberer Strom aus Wasserkraft – den ich gebucht hatte – meine Illusion vom „Gut-Menschen“ platze? Der gute Bekannte hatte natürlich recht.
Wir haben jedoch weiter Ökostrom bezogen und auch hinsichtlich des Gases versucht halbwegs nachhaltig zu werden, in dem wir „Öko-Gas beziehen. In deutlichen Worten bedeutet das, wir bekommen normales fossiles Gas geliefert und es wird ab und an von dem Gasbetreiber/Versorger ein Baum gepfanzt. Ist das nun greenwashing? Aus meiner Sicht JA und NEIN.
JA – weil sich an dem Gas, der Produktion, der Förderung, etc. nichts geändert hat
NEIN – weil es meiner Ansicht nach nicht schön geredet wird (zumindest mein Anbieter kommuniziert es recht klar) und für mich klar erkennbar war, dass durch meinen kleinen Aufpreis gegenüber dem normalen Gas, ein bisschen sinnvolles getan wird.
Der beste Weg ist sicherlich bei sich selbst zu schauen und den Verbrauch zu senken.
Muss es in der Wohnung, im Haus so warm sein, dass ich Schweißausbrüche bekomme, wenn ich nur darüber nachdenke, mir einen Pullover oder eine kleine Jacke überzustreifen?
Muss überall Licht brennen, der Fernseher laufen, auch wenn ich nicht in dem Raum bin oder was anderes mache als fernsehen zu schauen?
Muss ich täglich ausgiebig duschen, auch wenn klar ist, dass ich nicht „müffel“ und ich vielleicht nach dem Sport heute sowieso unter die Dusche gehe?
Klar ist auch, dass wir den Komfort lieben und das auch so bleiben kann/soll. Aber die eine Überlegung hier, die leichte Anpassung einer Angewohnheit dort, das Mitdenken über die nächsten 5 Minuten hinaus schafft bereits Möglichkeiten, etwas zu ändern. An den o. g. Beispielen lässt sich so etwas an den Verbrauch (Strom, Gas/Öl, und Wasser) einsparen und damit – nicht zu verachten – auch Geld.
Wie seht Ihr das?
- Hat sich Eure Denkweise in letzter Zeit auch verändert
- Was unternehmt Ihr in Bezug auf das Klima, Umwelt, Nachhaltigkeit?
- Oder seid Ihr der Meinung, dass es reicht, wenn andere das machen und sich darum kümmern, wie es früher auch meine Überzeugung gewesen ist?
Ich freue mich auf Eure Kommentare, wenn jemand meinen Blog gelesen haben sollte.